Obermain-Tagblatt  21.11.2005

 

Kilts, Dudelsack und beste Stimmung

,,Step it out Mary“ heizte Publikum beim schottischen Abend mit Live-Musik ordentlich ein / Wiederholung gewünscht

 

von Gerda Voelk

LICHTENFELS. Männer in Kilts, Lichtenfelser, die sich Bier von der Insel schmecken ließen und zwei Dudelsackspieler, die in die Weiten des schottischen Hochlands entführten. Das sind Impressionen aus der Korbstadt wie man sie in Zukunft vielleicht öfter sehen wird. Beim schottischen Abend des Städte-Partnerschaftskomitees und des Schottland Club Obermain, platzte das Bistro Kärschenbaam fast aus den Nähten.

 

Der schottische Abend begann stilvoll mit Dudelsackmusik

Der schottische Abend
begann stilvoll mit Dudelsackmusik

 

Und das lag nicht nur am schottischen Eintopf und dem echten „Newcastle Brown Ale Beer“, sondern auch an der Band, die auf Einladung von Dr. Ursula Bader, Präsidentin des Partnerschafts-Komitees Prestwick-Lichtenfels, zum ersten Mal in Lichtenfels zu Gast war. Die schottisch-irische Live-Musik von „Step it out Mary“ erwies sich als wahrer Publikumsmagnet und zog die Fans des Irish – Scottish Folk geradezu magisch an. Die Band „Step it out Mary“, besteht zum einen aus Bill Montgomery (Geige, Gitarre, Mandoline, Gesang) einem waschechten Schotten aus Glasgow und Christine Röbling (Gitarre, Bodhran, Flöte, Gesang), Musiklehrerin aus Berlin, die jetzt in Bamberg wohnt. Beide sind Gründungsmitglieder einer Band, die es mit wechselnder Besetzung seit 1998 gibt.

Von der großen Resonanz der Veranstaltung zeigte sich auch der 1. Vorsitzende des Schottland Club Obermain, Sebastian Jung, in seiner Begrüßungsrede überrascht. Der Andrang sollte im Laufe des Abends noch zunehmen, so dass später auch Stehplätze Mangelware wurden. Der Abend begann stilvoll mit Dudelsackmusik.

 

Bill Montgomery erklärt den Publikum wo das "Sgian dubh“, das „schwarze Messer getragen wird

Bill Montgomery ist vom Äußeren der Prototyp eines echten Schotten. Das liegt nicht nur am Kilt, sondern auch an seinem hervorragenden Dudelsackspiel. Was „Step it out Mary“ dem Publikum bot, darf durchaus als schottisch-irische Musik vom Feinsten bezeichnet werden. Die dynamischen Reels, Hornpipes, Jigs und Marches wurden ergänzt durch etwas Bluegrass, wie Cotton Eyed Joe. Daneben sorgte Bill Montgomery mit seinem liebenswerten und trockenen Humor für heitere Stimmung und spätestens ab jetzt weiß jeder, was ein echter Schotte in den „hoses“ (den knielangen Wollstrümpfen) trägt. In den „hoses“ steckt das „Sgian dubh“, das „schwarze Messer“. Wird das Messer innen getragen - also versteckt - ist äußerste Vorsicht geboten, denn so erzählt Montgomery, das bedeute, „dass man seiner Umgebung nicht traut und daher angriffsbereit ist“. Ist das Messer jedoch an der Außenseite, für jedermann sichtbar, heißt das, dass der Träger keine kriegerischen Absichten im Schilde führt. Die Absicht von „Step it out Mary“ lag eher darin, das Publikum mit Songs wie „Raggle Taggle Gypsies“ zu begeistern. Hier versucht ein Adeliger seine Frau, die mit Zigeunern durchgebrannt ist, wieder zu bekommen.

 

Von „Step it out Mary“ war scottisch-irische Musik vom Feinsten zu hören.

Von „Step it out Mary“
war schottisch-irische
Musik vom Feinsten zu hören.

 

Unter den Songs ist einer besonders zu erwähnen, da er im weiteren Sinne eine Verbindung zu Lichtenfels besitzt: „Green Grow the Rushes“ vom schottischen Nationaldichter Robert Burns ist eine Liebeserklärung an die „lassies“, die Mädchen. Robert Burns, dessen Geburtstag jedes Jahr am 25. Januar mit einer besonderen Mahlzeit gefeiert wird (Burns Supper), kam aus Ayrshire, aus Alloway, einem Dorf südlich von Ayr nicht weit von Prestwick, der Partnerstadt von Lichtenfels.  Burns war nicht nur ein gefeierter Dichter, er war auch ein Sammler von traditionellen schottischem Liedern zu denen er oft einen neuen Text schrieb.

 

Bei Schlusslied „Auld Lang Syne“ wurde dem gegenüber die Hände gereicht.Bei Schlusslied „Auld Lang Syne“ wurde dem gegenüber die Hände gereicht.

 

Natürlich durften auch schottische Spezialitäten nicht fehlen, so ,,Newcastle Brown Ale Beer“ und „Hudson Bay“, der „Schnaps für alle Fälle“, wie Christian Schunke, vom Schottland Club Obermain meinte. Das Getränk besteht aus zwei verschiedenen Whisky-Sorten, Rum, echtem Ahornsirup und Honig. Wie immer, macht auch hier die richtige Mischung den guten Geschmack aus, betonte Schunke. Auch Dudelsäcke müssen miteinander harmonieren. Aus diesem Grund musste ein gemeinsames Konzert von „Highlandpiper“ Gerhard Jupe und Montgomery ausfallen. Es hätte einfach zu lange gedauert, beide Dudelsäcke aufeinander abzustimmen. „Ohne Abstimmung der Dudelsäcke wollen wir es euren Ohren nicht zumuten“, äußerte Montgomery mit einem Augenzwinkern.

Nach über zweieinhalb Stunden, und zwei Zugaben, endete mit „Auld Lang Syne“ (die englische Version von „Nehmt Abschied Brüder“), was soviel wie „die gute alte Zeit“ heißt, das Konzert. Das Lied wird bei vielen Veranstaltungen zum Abschied gesungen. Dabei ist es üblich, dass man sich beim letzten Vers „And there’s a hand, my trusty fiere!“  überkreuz die Hände reicht.

Das Publikum war sich einig, dass es solch eine Veranstaltung öfters geben könnte. Sebastian Jung vom Schottland Club sowie Dr. Ursula Bader und Monika Faber, Gesamtpräsidentin des Städtepartnerschaftskomitees, versprachen darüber nachzudenken.  
-gst-

 

 

 

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