Neue Presse 19. 06. 2006

HIGHLAND-GAMES Schottland Club Obermain bot echtes Spektakel / Turnier mit Schwertkampf, Dudelsack und Tänzen

Schottenrock und ein Schluck Whiskey




VON SUSANNE BOTHE
LICHTENFELS/STETTEN - Besser als in Schottland hätten hier im Landkreis Lichtenfels die ersten Highland-Games nicht bestritten werden können. Die Sonne schien und auch die WM hielt viele hundert Besucher nicht davon ab, diesem Spektakel beizuwohnen.

Schon im Februar sprach der Schottland Club Obermain e. V., der im Sommer des letzten Jahres gegründet wurde und 65 aktive Mitglieder zählt, bei der 1. Bürgermeisterin Bianca Fischer vor und konnte sie als Schirmherrin der Spiele gewinnen. Sichtlich beeindruckt über soviel Einsatzfreudigkeit des Klubs, erklärte die Bürgermeisterin am Samstagmittag „Die Spiele für eröffnet.“

Schottisches Brauchtum wird in dem Verein gepflegt und so musste Bianca Fischer aus einem kleinen Kelch, dem „Quinch“, der ihr von Vereinsvorsitzenden Sebastian Jung gereicht wurde, einen ordentlichen Schluck Whiskey nehmen. Dieser Brauch wurde bei den Kelten als Frieden- oder auch Freundschaftsbekundung angewandt und ist die keltische Entsprechung der indianischen Friedenspfeife.

Dr. Ursula Bader, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees für die Stadt Prestwick war auch gekommen und übermittelte aus der schottischen Stadt die Grüße von John Park, dem Komiteevorsitzenden für Lichtenfels. Liebevoll wurde das Fußballfeld als mittelalterliche Zeltstadt gestaltet und die schottischen Flaggen wehten im Wind.

Die Highland-Games sind traditionelle Wettkämpfe, die ursprünglich spontan bei Treffen schottischer Clans (Stämme) in den Highlands, dem schottischen Hochland abgehalten wurden.

Die ersten Spiele fanden schon im 10. Jahrhundert statt und dienten anfangs zur Auswahl der geschicktesten Krieger und schnellsten Botenläufer. Ein Besucher brachte die heutzutage seltsam anmutenden Spiele verschmitzt lächelnd auf den Punkt: „Gaudi“. Angesagt waren Disziplinen wie „Sheaf Toss“ (Heusackwerfen), „Weight for Distance“ (Gewichte tragen), „Putting the Stone“ (Steinwurf) und „Tossing the Caber“ (Baumstammwerfen). Jeder, der wollte, durfte sich anmelden und mitmachen. Allen voran natürlich die gemeldeten Abordnungen der Gastmannschaften, wie dem „Clan Mac Scott“ (Forchheim), den „Backstreet-Boys“ (Michelau), dem FV Spezial (Lichtenfels), den O´ Houlihans (Lichtenfels) und den Lechfeld-Highlandern.

Wer mitmachte musste sich einen Kilt anziehen, denn, „ohne Kilt keine Spiele!“, so der 3. Vorsitzende des Schottland Clubs Obermain, Christian Schunkel. Beim Sheaf Toss galt es den Heusack so weit wie nur möglich über den Kopf nach hinten zu werfen und daran hatten auch die teilnehmenden Frauen ihren Spaß und schlugen sich tapfer. Jedoch die nächsten Wettkämpfe machten die Männer unter sich aus. Beim Weight for Distance mussten zwei Gewichte von jeweils 21,5 kg über eine Strecke von zirka 40 Metern um zwei Heuballen herum getragen und wieder ins Ziel gebracht werden. Da kam so manch ein Teilnehmer nicht nur ins Schwitzen, sondern auch ins Straucheln.

Der auch technisch anspruchvollste Wettbewerb war das Baumstammwerfen. Hier entscheidet nicht etwa die Weite des Wurfes, sondern die Art der Landung. Der 4,50 Meter lange und zirka 25 kg schwere Stamm, muss sich um 180 Grad drehen und in 12-Uhr-Ausrichtung zum Liegen kommen. Abgesehen davon, muss es dem Wettkämpfer alleine gelingen, diesen Stamm für den Wurf zu schultern. Zwischen den Wettbewerben konnten sich die Besucher an Bier, Limonade, schottischem Whiskey oder Kaffee und Kuchen laben. Auch für Steaks und Bratwürste wurde gesorgt.

An diesem zwei Tage währenden Fest, dass mit einem Turnier im Mannschafts-Tauziehen (Tug-o-War) am Sonntag beendet wurde, sorgten für die musikalische Unterhaltung die Nürnberger Great Highland Bagpipes (Dudelsack-Pfeifer) und tänzerische Einlagen boten die Schottland Maintal Dancers. Was diese Veranstaltung auch als Familienausflugsziel so attraktiv machte, waren die streng nach Choreografie dargebotenen Schwertkämpfe, das gelebte Lagerleben (mit geselligem Beisammensein bis in die frühen Morgenstunden) und auch die Geschicklichkeitsspiele, an denen man teilnehmen durfte und die mitunter noch aus dem Mittelalter stammen. So etwa das Königsspiel, bei dem zwei Mannschaften aus je drei Personen mit Stockwürfen versuchen, die auf einem Spielfeld aufgestellten Kegel des Gegners zu treffen. Diese Highland-Games gab es für Kinder auch als Miniaturausgabe, und so wurden statt Steine eben Gummistiefel durch die Luft geworfen. Mit einer Neuauflage im nächsten Jahr ist nach Aussage Sebastian Jungs zu rechnen.

Endergebnisse der einzelnen Disziplinen:

Weigth for distance: Platz 1 erkämpfte sich Karl- Heinz Schulz aus Schwarzenbruck bei Feucht mit 25, 22 Sekunden, dicht gefolgt von Mario vom FV Spezial mit 25,42 Sek. (Lichtenfels) auf Platz 2.und über Platz 3 konnte sich Ronan Mc Dubine (Lechfelder Highlands) mit 28,42 Sek. freuen.

Sheaf Toss: Wieder konnte Karls-Heinz Schulz Platz 1 besetzten mit 25,15 Meter, damit verwies er seine Kontrahenten Jakob von den O´Houlihans (Lichtenfels) mit 24,90m auf Platz 2 und Ralf Wölfel mit 24,89 auf den 3. Platz.

Putting the stone: 1. Platz ging diesmal an Robert Pfuhlmann (Bamberg, ehemaliger bayrischer Meister im Rasenkraftsport) mit glatten 22 m, gefolgt von Phillip Rodriguez (Schottland Club Obermain) mit 19m und Tobias (O´Houlihan) mit 17,85m.

Tossing the Caber: 1. Platz Daniel ( O´Houlihan), 2. Platz Markus (Clanchief der Mac Scotts) und 3. Platz Stefan (Fv Spezial)

Der erste Platz wurde mit einem kleinen Pokal, der zweite mit einer Falsche Whiskey und der dritte Platz mit einem Fünfliterfässchen Bier belohnt.


Besonders die Schwertkämpfer wurden bewundert. FOTO: SUSANNE BOTHE

 

 

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